Grüne Baden

Projekt «Schulhausplatz/Baden Zentrum»: Aktuelle Kritikpunkte und Anliegen der Grünen Baden

 

Aus der ursprünglichen Sanierung ist ein immer grösser werdendes Projekt entstanden. Uns fehlen eine gemeinsame Problemdefinition. Ist wirklich der Stau das Problem? Oder auch der Lärm? Das Klima? Das Ortsbild? Quartiertrennende Strassen?
Auch klare verkehrpolitische Ziele und die dazugehörenden (Controlling-)Massnahmen fehlen.

Da wir nur die Pläne (Infrastruktur, «Hardware») beurteilen können, ist es zum Teil schwierig abzuschätzen, welche Auswirkungen eine bauliche Massnahme hat. Entscheidend ist ja oft die «Software» z.B. die Steuerung des Verkehrsflusses und der Wartezeiten vor den Lichtsignalanlagen.

Für uns sind die 60 Mio. Mehrwert im Vergleich zu einer einfachen Sanierung viel zu wenig greifbar. Dass die «Erreichbarkeit des Zentrums für die Wirtschaft berechenbarer wird» (Zitat Regierungsrat Peter Beyeler) ist aus grüner Sicht kein schlagendes Argument.
Der Schulhausplatz wird auch in Zukunft die meistbefahrenste Kreuzung im Aargau sein mit all den negativen Auswirkungen des motorisierten Verkehrs für die Anwohnenden und die Umwelt.

Wer das Projekt aus der Sicht der BadenerInnen und des ÖV- und Langsamverkehrs anschaut erkennt rasch, dass es nicht so toll ist, wie die Versprechungen es erwarten liessen:

Dass Fuss- und Velowege aus topografischen Gründen bei Schulhausplatz (weiterhin) unterdurch müssen, akzeptieren wir mangels Alternativen. Die Zugänge zur unterirdischen Fussgänger- und Veloebene sind aber zur Bruggerstrasse hin sehr umständlich bzw. unmöglich und aus der südlichen Mellingerstrasse-Seite nur per Treppe oder Lift machbar. Das mindert die Attraktivität wesentlich. Ausserdem ist die Gestaltung dieser 1. UG-Ebene architektonisch und soziologisch sehr anspruchsvoll, damit sie am Schluss nicht mit Dutzenden von Kameras überwacht werden muss.

Wir bedauern es sehr, dass «aus Kapazitätgründen» kein Kreisel beim Schulhausplatz gebaut wird. Aus unserer Sicht wäre ein Kreisel städtebaulich, für den öffentlichen Raum und den Fuss- und Veloverkehr (im 1. UG) immer noch die beste Lösung.

Auf beim Brückenkopf Ost der Hochbrücke soll der Links-Abbieger von Ennetbaden nach Wettingen verunmöglicht werden. Der Quartierverein Limmat rechts befürchtet zu recht, dass sich der Verkehr dann durch die Quartierstrassen seinen Weg suchen würde und möchte die jetzige Signalisation beibehalten.

Auch die Veloverbindungen werden nicht nur besser: Zwar könnten dann Velofahrende aus den meisten Richtungen das 1. UG zur sicheren Querung des Schulhausplatzes nutzen. Dort hat es aber auch Fussgänger, welche in alle Richtungen kreuzen und ein zügiges Velo fahren wird oft nicht möglich sein. Positiv ist, dass die oberirdischen Velowege bestehen bleiben. Sichere und mutige Velofahrende fahren also weiterhin obendurch.

Im Schlossbergtunnel braucht es neu Platz für die auftauchende Busrampe, so dass der jetzt bestehende Velotunnel von der Bruggerstrasse zum Ländli aufgehoben werden muss und wie schon erwähnt keine direkte Anbindung für Velos und Fussgänger aus der Bruggerstrasse an die «Langsamverkehrsebene» im 1. UG des Schulhausplatzes realisiert werden kann.

Wie der begrenzte Platz im Schlossbergtunnel dann aufgeteilt wird, zeigt aber deutlich, wie die Prioritäten in den Köpfen der Planer aussehen: neu sollen zwei markierte Fahrbahnen Richtung Baden Nord gehen und für die Velos und Fussgänger bleibt weniger Platz als heute. Hier wird der ÖV auf Kosten der Fussgänger/Velos gefördert.

Bei der Ausgestaltung der Tunnelgarage wird klar, dass der Stadtrat nicht – wie mit dem Bau des Parkhauses Theaterplatz versprochen – gewillt ist, dort die Parkplätze aufzuheben. Es werden sogar teure Zusatzbauten diskutiert, um Parkplätze erhalten zu können. Das ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Zudem ist jeder zusätzliche Verkehr über den oberen Bahnhofsplatz (Tempo 20- Begegnungzone) kritisch, wenn dort neu auch alle Postautos durchfahren sollen, um zur Tunnelgarage/Busrampe zu gelangen.

Der Nutzen des teuren Bustunnels Richtung Hochbrücke ist uns noch viel zu wenig klar. Und dabei ist dieses Bauteil eines der teuersten im Kernprojekt Schulhausplatz. Ausserdem bleibt das Auftauchen des Busses vor dem Ländli auch nach den zusätzlich geplanten Verbesserungen städtebaulich ein grosser Eingriff. Hier wollen wir noch mehr Informationen wie der Bus oberirdisch bevorzugt über den Schulhausplatz geführt werden könnte. “Entflechten” durch separate Spuren und Tunnels kann sinnvoll sein. Wenn es aber zu mehr Kapazität für den motorisierten Verkehr bzw. zu grossen unattraktiven und schlecht passierbaren Rampen führt, sehen wir schnell mehr Nach- als Vorteile. Allenfalls wäre ein Tunnel in die Mellingerstrasse eine bessere Alternative.

Eine Weite Gasse ohne Busverkehr hat gewisse Vorteile. Neben dem benötigten Bau der Busrampe durch die Tunnelgarage ist der Preis aber auch, dass die Bus-Haltestelle Weite Gasse aufgehoben wird und die nächstgelegenden beim Schlossbergplatz/Cachet, beim Ländli oder der Linde aufgesucht werden müssen. Deshalb ist die Aussage, dass die Bustunnels die ÖV-Attraktivität steigern und das Projekt Baden Zentrum grosse Investionen in den ÖV beinhaltet zu relativieren. Zudem wird die Weite Gasse nicht gänzlich vom Busverkehr befreit, eine oder zwei Linien sollen weiterhin durch die Weite Gasse fahren. Die Verkehrfläche wird also bleiben.

Der Kreisel Burghalde und die Absenkung der Fahrbahn ist aus unserer Sicht weder nötig noch sinnvoll. Wir möchten die innerstädtischen Abzweigemöglichkeiten in die Oberstadtstrasse und beim Brückenkopf Osterhalten. Und auf die geschätzen 40 zusätzlichen grosse LKWs, die wegen der grösseren Höhe der SBB-Brücke dann durch die Mellingerstrasse fahren könnten, verzichten wir ganz gerne.

Einzig die Gestaltung der äusseren Mellingerstrasse vermag uns zu überzeugen. Auch der Quartierverein Meierhof steht hinter diesem Teilprojekt.

Das geplante Verkehrsmanagement, welches den Verkehr lenken und gezielt den Bus bevorzugen soll, findet hingegen unsere volle Zustimmung. Das innerstädtische Abzweigemöglichkeiten (Oberstadtstrasse, Brückenkopf Ost) dem Verkehrfluss geopfert werden ist aber aus unserer Sicht nicht der Sinn der Sache. Verkehrs- und Mobilitätsmanagement sind wichtiger Teile einer nachhaltigen Verkehrspolitik und wir sind gespannt auf seine Wirkungen und das zusätzliche kantonale Projekt «Verkehrsmanagement Baden-Wettingen».

Beatrice Schilling, 29.4.2010

 

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